In der Finanzbranche ist ein Kampf hinsichtlich der künstlich niedrig gehalten Zinsen entbrannt. Die Banken stehen hierbei auf der einen Seite. Für sie können die Sätze gar nicht niedrig genug sein. Sie können dann reichlich gute Geschäfte machen und ihre Bilanzen aufpolieren. Auf der anderen Seite steht die Versicherungsbranche. Diese muss das Geld ihrer Kunden gewinnbringend, das heißt möglichst zu höheren Zinsen, anlegen.
Die Versicherungen sehen sich dabei derzeit auf verlorenem Posten. Denn wenn die Währungshüter nun die Zinssätze anheben würden, befürchten sie, dass mit höheren Leitzinsen die fragile Weltkonjunktur erneut zusammenbrechen könnte. Doch ziehen die Zinssätze nicht an, stehen die großen Versicherungsunternehmen vor ernsten Problemen, denn es könnte dann der aktuelle Garantiezins von 2,25 Prozent nicht mehr gehalten werden. Neuverträge könnten dann sogar mit weniger als zwei Prozent garantierter Verzinsung ausgestattet sein.
In der vergangenen Woche ist die Umlaufrendite öffentlicher Anleihen, nach der sich der Garantiezins richtet, unter dessen Wert von 2,25 Prozent gefallen. Die Umlaufrendite rutschte kürzlich auf 2,20 Prozent in die Nähe ihres Rekordtiefs von 2,12 Prozent ab. Und leider handelt es sich hierbei nicht um einen „Ausreißer“. Die rückläufigen Renditen sind allerdings ein langwährendes Phänomen. Seit Anfang der Neunziger Jahre geht es fast stetig bergab. Und immer wenn die Umlaufrendite den Garantiezins erreichte oder darunter fiel, folgte eine Absenkung. Der zunächst letzte Schritt nach unten war im Januar 2007. Das Ministerium senkte damals den Satz auf 2,25 Prozent. Auch der zehnjährige Durchschnitt bei der Umlaufrendite ist inzwischen auf 3,93 Prozent gefallen. Durch den Gesetzgeber ist vorgesehen, dass der Garantiezins nicht über 60 Prozent dieses Durchschnitts liegen darf, wobei die Schmerzgrenze jetzt bei 2,36 Prozent liegt, also bedrohlich nah am Garantiezins von 2,25 Prozent.
Die Versicherungsunternehmen haben sich offenbar damit abgefunden, auch eines ihrer wichtigsten Marketinginstrumente, eine hohe Garantieleistung für die Kunden, zu verlieren. So wird Experten zufolge wohl der Garantiezins von den Versicherern gesenkt werden müssen. Zu spüren bekommen werden das dann nicht nur Neukunden, auch die Bestandskunden mussten in den letzten Jahren schon Zinsabschläge hinnehmen. Die durchschnittliche Rendite betrug in diesem Jahr 4,22 Prozent. Dies ist ein Tiefstrekord. Noch vor wenigen Jahren konnten Kunden auf Ihre Einzahlungen durchschnittlich noch 7,4 Prozent verdienen.
Auch hat die niedrige Rendite große Auswirkungen auf Deutschlands wichtigstes Altersvorsorgeprodukt bzw. für die Lebensplanung. Wer 2001 30 Jahre lang monatlich 100 Euro eingezahlt hatte, konnte nach Ablauf seiner Police mit rund 105.000 Euro rechnen. Das war ein Zinsgewinn von um die 68.000 Euro. 2010 ist der Zinsgewinn auf 50.600 Euro geschrumpft, obwohl hier noch die fetten Neunziger Jahre mit dabei waren. Ein jetzt abgeschlossener Vertrag wird wohl später nur noch sehr magere Zinsen abwerfen.
Die Renditen werden künftig bei den einzelnen Anbietern noch drastischer differieren als heute. Starke Anbieter können nämlich der Zinsfalle entgehen und das Geld ihrer Kunden auch in riskantere Anlageprodukte wie beispielsweise Aktien investieren.
Mitgeteilt von Rechtsanwalt Joachim Cäsar-Preller, Wiesbaden
Neueste Kommentare