Ein Handwerker aus Landshut ist Innenausbauer. Er versteht sich zwar sehr gut darauf, Tapeten zu streichen und Rigips-Platten zu verarbeiten, aber er versteht nichts von Bankgeschäften und Immobiliekäufen. Er benötigte aber für sein Geschäft ein kleines Darlehen, und so wurde er zum typischen Fall jener Kreditnehmer, auf deren Namen die jetzt angeklagte Bande mutmaßlicher Immobilienbetrüger Darlehen bei Banken und Sparkassen beantragt haben soll.
Für den Handwerker mag es wie ein Wunder geklungen haben: Durch das an ihn vermittelte Darlehen sollte er Eigentümer einer Wohnung in Wiesbaden werden. Der Kauf finanziert von der Bank, die einen Kredit gewähren sollte, der nicht nur für die Immobilie, sondern angeblich auch für das benötigte Darlehen reichte. So kam der Landshuter zu einer Wohnung in Wiesbaden, die er nie zuvor gesehen hatte. Die Immobilie gehörte zu einer Villa, die so gar nicht dem Bild einer sogenannten Schrottimmobilie entspricht. Als dann die vereinbarte Miete nicht überwiesen wurde, schrieb der Handwerker seinen vermeintlichen Mieter an und fragte, wo denn die letzten Mieten geblieben seien. Dass der Mieter keine Miete überwies, hatte aber einen guten Grund: Er kannte ihn gar nicht, wusste nicht einmal, wem seine Wohnung gehörte. Die Eigentumsverhältnisse des Mehrfamilienhauses hatten sich immer wieder geändert. Für eine Zwischenzeit gehörte die Wohnung auch einer Frau, die als Kopf der Betrügerbande gilt und seit Mai in Untersuchungshaft sitzt. Schon seit zwei Jahren hatte niemand von dem Mieter Miete gefordert, aber da er eine ehrliche Haut ist, hatte er die Miete auf einem Sperrkonto beim Amtsgericht überwiesen. Als er das Schreiben des Handwerkers erhielt, versuchte er ihn – ohne Erfolg – unter der im Schreiben angegebenen Telefonnummer zu erreichen.
Mitgeteilt vonRechtsanwalt Joachim Cäsar-Preller, Wiesbaden