Deutsche Anlegerschutzrechtsanwälte bereiten juristische Schritte gegen Depotbanken vor.
Im Betrugsfall Madoff kommt auf die Depotbanken und Vermögensverwalter eine Klagewelle zu. Insbesondere die HSBC und der Bad Homburger Vermögensverwalter Sauerborn treffen es. Nach Informationen des Anlegerschutzanwalts Rechtsanwalt Joachim Cäsar-Preller erwägen Investoren, gegen die Depotbanken vorzugehen. Alleine Sauerborn hat nach eigenen Angaben über den 423 Millionen Euro schweren Fonds „Sauerborn I“ 34 Millionen Euro in drei Madoff-Fonds investiert. Der Verwalter wollte sich zu möglichen weiteren Madoff-Investments nicht äußern.
Sauerborn ist im Übrigen eine UBS-Tochter. Laut Branchenkennern habe Sauerborn in ordentlichem Umfang bei Madoff investiert. Es gehöre zur Investmentpolitik des auf große Vermögen spezialisierten Vermögensverwalters, konzentriert anzulegen, wenn er von einem Manager überzeugt ist.
Nach Brancheninformationen haben Investmentfonds in Deutschland 220 Millionen Euro in zwei Madoff-Produkte angelegt. Außerdem würden indirekt über Zertifikate rund 110 Millionen Euro kommen.
Anlegerschutzanwälte prüfen zudem Klagen gegen die Depotbank HSBC. Auch Branchenverbände empfehlen ihren Mitgliedern, zu klagen. Der Grund: Die Depotbank soll Madoff-Investitionen nicht sorgfältig geprüft und damit gegen Investmentgesetze verstoßen haben. Danach müssen Banken, die Wertpapiere für Fonds aufbewahren, sorgfältig prüfen, ob Fondsmanager korrekt agieren. Dazu gehört laut EU-Fondsrichtlinie UCITS die Prüfung, ob mit dem Anlegergeld überhaupt Wertpapiere gekauft werden und das Kapital nicht abgezweigt wird.
Doch nach Auskunft der amerikanischen Brokeraufsicht FINRA hat Madoffs Wertpaperhandelshaus seit seinem Bestehen 1960 kein einziges Wertpapier für Kunden gekauft. Auch Unterlagen über Kundenkonten hätte er der Behörde nie vorgelegt, so Behördensprecher Herb Perone auf Anfrage.
Das hätte den Depotbanken auffallen müssen, sagt Rechtsanwalt Joachim Cäsar-Preller. Auch die Fondsbranche übt scharfe Kritik an den Depotbanken. Laut Gesetz hätten sich die Depotbanken regelmäßig davon überzeugen müssen, dass Madoff das ihm anvertrauteFondsvermögen ordentlich verwaltet. Einer Depotbank müsste auffallen, wenn ein Fonds kein ordentliches Geschäft betreibt.
Unter Druck gerät jetzt die HSBC. Sie war Depotbank für den in Luxemburg aufgelegten Investmentfonds „Harold US Absolut Return Fonds“. Nach einer Mitteilung des Fondsverwalters könne die Depotbank derzeit über die erworbenen Wertpapiere keine Angaben machen. Das ist ein klarer Hinweis auf Unregelmäßigkeiten bei der Depotführung.
Wie ist Madoff überhaupt vorgegangen? Bernard Madoff ist frührer Chef der Technologiebörse Nasdaq. Auch deshalb traute man ihm zu, dass er die Kunden seiner Anlagefirma „Bernard Madoff Securities“ betrog. Der Schaden auf wird auf bis zu 50 Milliarden Dollar geschätzt. Das ist einer der größten Betrugsfälle an der Wallstreet. Mitte Dezember wurde der Skandal publik und Madoff verhaftet.
Durchschnittlich zehn Prozent Rendite versprach Madoff seinen Investoren – und zahlte mit frisch eingesammeltem Geld neue Anleger. Viele Betroffene wussten noch nicht einmal, dass sie ihr Geld Madoff anvertraut hatten. In den Prospekten der beiden Medici-Fonds beispielsweise taucht der Name nicht auf.
Es handelt sich in letzter Konsequenz um ein klassisches Schneeballsystem, vor dem Verbraucheranwälte immer warnen.
Rechtsanwalt Joachim Cäsar-Preller
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