Das Bundesverfassungsgericht hat ein erstes Zeichen im Bezug auf die umstrittene und politisch wie gesellschaftlich hochbrisante Änderung des Telekommunikationsgesetzes, mit der der Gesetzgeber die so genannte Vorratsdatenspeicherung erlaubt hat, gesetzt. Als Vorratsdatenspeicherung bezeichnet man die Verpflichtung der Anbieter von Telekommunikationsdiensten zur Registrierung von elektronischen Kommunikationsvorgängen zum Zwecke der Verbrechensbekämpfung, ohne dass gegen den einzelnen Kommunikationsteilnehmer ein Anfangsverdacht bezüglich einer Straftat oder konkrete Hinweise auf Gefahren bestehen. Dies bedeutet, dass jedermann befürchten muss, dass der Inhalt privater Kommunikation gespeichert und jederzeit von staatlicher Seite kontrolliert werden kann, selbst wenn das Gesprochene überhaupt nichts mit irgendwelchen Straftaten zu tun hat. Hiergegen haben sich in einer in dieser Form noch nie dagewesenen Aktion ca. 34.000 Bundesbürger mit einer Massen-Verfassungsbeschwerde gewandt und die Aufhebung des Gesetzes gefordert. Das Bundesverfassungsgericht hat nun zunächst einmal einem Eilantrag der Beschwerdeführer zum überwiegenden Teil stattgegeben, so dass das Gesetz bis zu einer endgültigen Entscheidung des Gerichts über seine Verfassungsgemäßheit erst einmal „auf Eis gelegt ist“. Begründet wurde die Entscheidung damit, dass in einem Verkehrsdatenabruf selbst ein schwerwiegender und nicht mehr rückgängig zu machender Eingriff in das Grundrecht aus Art. 10 Abs. 1 GG (Schutz des Telekommunikationsgeheimnisses) liege. Ein solcher Datenabruf ermögliche es, weitreichende Erkenntnisse über das Kommunikationsverhalten und die sozialen Kontakte des Betroffenen zu erlangen. Dies sei mit allgemeinen Erwägungen zur Notwendigkeit einer effektiven Verbrechensbekämpfung nicht aufzuwiegen, da das Gesetz in seiner gegenwärtigen Form die Maßnahmen ja gerade gegen jedermann zulasse, gegen den noch nicht einmal der Anfangsverdacht einer Straftat bestehe. Die Entscheidung ist deshalb bemerkenswert, da das Bundesverfassungsgericht in seiner Geschichte mit der einstweiligen Aussetzung von Gesetzen immer sehr zurückhaltend gewesen ist. Obschon natürlich noch eine endgültige Entscheidung über das Gesetz ergehen muss, scheint eine Linie doch erkennbar. Derzeit steht zu erwarten, dass die Auffassung einiger Politiker, die persönliche Freiheit des Einzelnen habe hinter die Sicherheit der Allgemeinheit stets zurückzutreten und könne daher massiv eingeschränkt werden, vom Bundesverfassungsgericht nicht bestätigt wird.
Neueste Beiträge
- Handy beschlagnahmt: Muss ich PIN, Fingerabdruck oder Face-ID herausgeben?
- Neue Verjährungsfristen für Bußgeldbescheide ab 01.07.2026: Was Betroffene jetzt wissen müssen
- Ticketprobleme bei WM, Bundesliga, Champions League & Co.: Welche Rechte Fans haben
- Asbestbelastung in der Wohnung festgestellt – welche rechtlichen Möglichkeiten bestehen?
- Warum Beschuldigte gegenüber Polizei und Ermittlungsbehörden schweigen sollten – auch wenn sie unschuldig sind
Archiv
- August 2026
- Juli 2026
- Juni 2026
- Mai 2026
- März 2026
- Februar 2026
- Januar 2026
- Dezember 2025
- Oktober 2025
- September 2025
- August 2025
- Juli 2025
- Juni 2025
- Mai 2025
- April 2025
- März 2025
- Februar 2025
- Januar 2025
- Dezember 2024
- November 2024
- Oktober 2024
- September 2024
- August 2024
- Juli 2024
- Juni 2024
- Mai 2024
- April 2024
- März 2024
- Februar 2024
- Januar 2024
- Dezember 2023
- November 2023
- Oktober 2023
- September 2023
- August 2023
- Juli 2023
- Juni 2023
- Mai 2023
- April 2023
- März 2023
- Februar 2023
- Januar 2023
- Dezember 2022
- November 2022
- Oktober 2022
- September 2022
- August 2022
- Juli 2022
- Juni 2022
- Mai 2022
- April 2022
- März 2022
- Februar 2022
- Januar 2022
- Dezember 2021
- November 2021
- Oktober 2021
- September 2021
- August 2021
- Juli 2021
- Juni 2021
- Mai 2021
- April 2021
- März 2021
- Februar 2021
- Januar 2021
- Dezember 2020
- November 2020
- Oktober 2020
- September 2020
- August 2020
- Juli 2020
- Juni 2020
- Mai 2020
- April 2020
- März 2020
- Februar 2020
- Januar 2020
- Dezember 2019
- November 2019
- Oktober 2019
- September 2019
- August 2019
- Juli 2019
- Juni 2019
- März 2019
- Februar 2019
- Dezember 2016
- November 2016
- Oktober 2016
- September 2016
- August 2016
- Juli 2016
- Juni 2016
- Mai 2016
- April 2016
- März 2016
- Februar 2016
- Januar 2016
- Dezember 2015
- November 2015
- Oktober 2015
- September 2015
- August 2015
- Juli 2015
- Juni 2015
- Januar 2015
- Oktober 2014
- Juli 2014
- März 2014
- Februar 2014
- Dezember 2013
Kategorien
- Abgasskandal
- Allgemein
- Arbeitsrecht
- Arzt- und Medizinrecht
- Bank- und Kapitalmarktrecht
- Bankrecht
- Bau- und Architektenrecht
- Baubiologie
- Baurecht
- Corona
- Corona
- Datenschutzrecht
- Erbrecht
- Familie und Freizeit
- Familienrecht
- Kanzlei in der Presse
- Medizinrecht
- Miet- und Wohnungsrecht
- Mietrecht
- Newsletter
- Recht- Rund ums Wohnen
- Rechtsgebiete
- Reiserecht
- rund-ums-wohnen
- Sozialrecht
- Steuerrecht
- Strafrecht
- Unternehmen und Arbeit
- Urteile
- Verbraucherschutz
- Verkehrsrecht
- Versicherungsrecht
- Videos
Neueste Kommentare