Ein Ex-Vermittler der Bonnfinanz soll 4,5 Millionen Euro von Sparern veruntreut und in Casinos verspielt haben. Eine Anlegerin aus A. glaubte an ein gutes Geschäft. Der Vertreter des Anlagenvermittlers Bonnfinanz, Alfred Stenger, bot ihr 1999 zehn Prozent Zinsen auf Wertpapiere. Dies war deutlich mehr als die örtliche Sparkasse ihr bieten konnte. Bereits zuvor hatte sie der Bonnfinanz Geld anvertraut und immer pünktlich ihre Zinsen erhalten. Daher zahlte die Anlegerin bedenkenlos dem immer seriös auftretenden Vertreter ihre gesamten Ersparnisse – fast rund 270.000,00 DM – bar auf die Hand. Auf die Zinsen und Rückzahlung wartet sie jedoch noch heute. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Stenger wegen Kapitalanlagebetrugs. Der Vermittler soll bis zu 4,5 Mio. Euro veruntreut haben. Vermutlich hat er das Geld in deutschen und US-amerikanischen Spielkasinos verzockt. Die Ermittler konnten nichts mehr davon finden. Die Geschädigten fordern nun von der Bonnfinanz (ehemals Deutsche Bank, heute Zürich-Gruppe) Schadenersatz. Das Unternehmen blockt jedoch ab. Nachweislich sammelte Stenger von 1990 bis 2007 bei knapp 80 Kunden mehr als fünf Mio. Euro ein. Die Summe dürfte jedoch noch um einiges höher liegen, da Unterlagen nur lückenhaft vorhanden sind. Fragte man wegen ausstehender Zinsen nach, wurde man von Stenger vertröstet. Die polizeilichen Ermittlungen ergaben, dass in keinem einzigen Fall nachgewiesen werden konnte, ob oder wie viel Gelder von welchen Kunden Stenger angelegt hat. Es gab keine Anlagebelege, jedoch zahlreiche Hinweise auf Spielbankbesuche. Offenbar besuchte der 58-jährige zwischen 1995 und 2007 rund 1700-mal Kasinos u. a. in Wiesbaden und Bad Neuenahr. Gemäß Interpol-Ermittlungen reiste der mutmaßliche Betrüger darüber hinaus 2001 bis 2005 neunmal zum Zocken nach Las Vegas und quartierte sich im exklusiven Hotel „Mirage“ ein. Vor jeder seiner Auslandsreisen habe Stenger größere Geldbeträge von Kunden erhalten. Der heute mittellose Beschuldigte gibt an, alles aus eigener Tasche bezahlt zu haben. Die Geschädigten sehen daher die Bonnfinanz in der Haftung. Man will klagen, weil Stenger seine Verträge auch auf Bonnfinanz-Firmenpapier geschlossen hat und die Firma verpflichtet sei, ihre Mitarbeiter besser zu kontrollieren. Im konkreten Fall hatte sie auch allen Anlass zur Prüfung. Dies sieht Bonnfinanz anders. Denn Stenger habe nicht in deren Namen gehandelt und war auch nicht berechtigt, Bargeld zu kassieren. 2005 hat Bonnfinanz Stenger übrigens gekündigt. Unter anderem wegen zu geringer Umsätze.