Banges Warten bestimmt für tausende Kranke das Leben. Einem Todesurteil gleich ist es für viele, auf ein Spenderorgan angewiesen zu sein. Drei Menschen sterben im Schnitt jeden Tag auf der Warteliste. Mehr als in anderen europäischen Ländern sind in Deutschland Spenderorgane trotz grundsätzlich großer Spendenbereitschaft Mangelware. Im Jahr 2008 musste sogar erstmals seit Jahren ein eindeutiger Rückgang verzeichnet werden, nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) auf unter 15 Spender pro einer Million Einwohner. Vor dem erwarteten Bericht der Bundesregierung zur Lage nach zehn Jahren Transplantationsgesetz fordern Experten umfängliche Reformen. Laut Deutschem Herzzentrum in Berlin wird die Verteilung immer schwieriger, weil es immer weniger Organe gibt. Obwohl gemäß einer Forsa-Umfrage 70 Prozent der Menschen der Spende der eigenen Organe nach dem Tod positiv gegenüber stehen, haben nur 14 Prozent einen entsprechenden Organspendeausweis. In Deutschland warten rund 12.000 Menschen auf ein Organ, gespendet werden pro Jahr etwa 4.000 Organe. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Fachministerin Ulla Schmidt (SPD) unterstützen viele Spendenkampagnen, und 2008 wurden millionenfach Ausweisformulare unter die Bevölkerung gebracht. Jedoch sind durchgreifende Verbesserungen aus Sicht von Kritikern nicht absehbar. Roland Hetzer, Direktor des Deutschen Herzzentrums kritisiert: „Die Kliniken sind verpflichtet, Hirntote als Organspender zu melden, aber sie tun es zu selten.“ Die Krankenhäuser scheinen damit völlig überfordert. Stress auf den Intensivstationen und klamme Kassen prägen den Alltag vieler Kliniken. Oft haben Krankenhausärzte nicht die Zeit, angesichts des Todes eines Patienten auf die trauernden Angehörigen zuzugehen und die heikle Frage, wie der Tote wohl zur Organspende stand, zu erläutern. Und natürlich verursacht die Organentnahme selbst zusätzliche Arbeit. Als Vorbild könnte man hier Spanien nennen, dort sind große Krankenhäuser generell mit extra für die Organspende zuständigen Beauftragten ausgestattet. Wer bekommt in Zeiten des Mangels das rettende Organ, wer muss weiterhin warten? Wenige Chancen hat zunächst derjenige, dessen Fall auf der Warteliste nicht mit hoher Dringlichkeit eingestuft wird. Kaum eine Chance haben normal dringliche Patienten bei Herz und Lunge. „Die Politik muss sich mehr um die kranken Menschen kümmern als um theoretische Vorbehalte“, verlangt Hetzler. Der Mediziner befürwortet die zum Beispiel in Österreich gültige Widerspruchsregelung, wonach jeder ein potenzieller Organspender ist, es sei denn der Gestorbene hat einen ausdrücklichen Einspruch hinterlassen oder seine Angehörigen sind dagegen.