Die Arbeitszeit liegt hinter einem, daseigene Haus ist abbezahlt und eigentlich könnte man das Leben im Rentenalter doch nun mit vollen Zügen genießen. Zeit hat man mehr als genug, Verpflichtungen sind ebenfalls merklich gesunken und es gibt so vieles, von dem man immer gesagt hat, dass mache ich später einmal, nun wäre die Zeit. Doch was tun, wenn auf einmal die Heizung defekt ist, das gesamte Haus renoviert werden müsste oder sonstige größere Ausgaben auf einen zukommen?
Bei vielen älteren Menschen reicht die Rente heutzutage kaum für den Alltag aus, zusätzliche Ausgaben im größeren Rahmen können daher von der Rente nicht bezahlt werden. Größere Geldbeträge hat man ebenfalls nicht angespart, denn eigentlich war das Haus ja als Altersabsicherung gedacht. Da bleibt nur ein Kredit, doch viele Banken verlangen von älteren Leuten hohe Zins- und Tilgungsraten, wenn sie überhaupt Kredite an ältere Menschen vergeben. Und wie sollen überhaupt mit der Rente die hohen Raten bezahlt werden? Für viele Leute beginnt die finanziell schwerste Zeit genau dann, wenn sie eigentlich dachten, jetzt den Lebensabend genießen zu können.
Dies haben auch mehr und mehr Finanzdienstleister erkannt und meinen die Antwort gefunden zu haben. Umkehrdarlehen heißt die mögliche Lösung, welche in den letzten zweieinhalb Jahren von dem Rest der Welt nach Deutschland geschwappt ist.
„Reverse Mortgages“ heißt das Verfahren in England und den USA, wo es schon seit vielen Jahren ein fester Bestandteil der Altersvorsorge ist. Das Prinzip hinter dem ganzen ist ganz einfach. Man nimmt ein Darlehen auf eine Immobilie auf, die nicht oder nur sehr gering belastet wird. Den Darlehensbetrag bekommt man entweder als Einmalbetrag oder als lebenslange Rente ausbezahlt. Der Clou an der ganzen Sache, Zinsen und Tilgung sind gestundet und werden erst fällig, wenn der Darlehensnehmer stirbt oder aus dem Haus auszieht. Dann verwertet die Bank das Haus und befriedigt aus dem Erlös ihre Forderungen. Vorraussetzung ist neben einer nicht oder kaum belasteten Immobilie in der Regel ein Mindestalter von 65 Jahren.
Doch ist das Umkehrdarlehen wirklich die Lösung des Problems? Meist verlangen die Finanzdienstleiter Hohe Gebühren für die Stundungen der Raten und wer ursprünglich vorhatte, die Immobilie einmal seinen Kindern oder Enkelkinder zu hinterlassen, muss sich darüber klar sein, dass diese entweder den gesamten aufgelaufenen Betrag zahlen müssen oder die Immobilie weg ist.
Wie jeder andere größere Kredit sollte daher auch das Umkehrdarlehen gut überlegt sein.